Nützling oder Schädling oder Lästling? Wo liegen die Unterschiede? – Freund oder Feind im eigenen Garten

Nacktschnecken bekämpfen durch Weinbergschnecke im Gemüsebeet

Hilfe, eine Schnecke! Die frisst unseren Salat! Manchesmal entpuppt sich ein vermeindlicher Schädling als Nützling: Wussten Sie, dass Weinbergschnecken die Eier von Nacktschnecken fressen, die sich so nicht mehr an Ihrem Gemüse vergreifen?

Die Natur ist ein komplexes, ökologisches System, in dem jedes Tier seinen Platz hat. Wir Menschen versuchen diese Welt zu begreifen und teilen Lebewesen und Natur daher in Kategorien ein.

Drei davon sind die Nützlinge, die Schädlinge und die Lästlinge. Im Folgenden erklären wir Ihnen, welches Lebewesen in welche Kategorie fällt und wie sich diese drei unterscheiden.

Nur allzuoft werden nützliche Tiere als Schädlinge betrachtet und bekämpft. Viele empfinden beispielsweise den Gemeinen Ohrwurm als ekelig und störend. Dabei unterstützt uns dieser im Garten im Kampf gegen zahlreiche Blattlausarten. Damit Sie einen Freund von einem „Feind“ unterscheiden können, erfahren Sie hier mehr zu dem Thema.

Unterschied Nützling, Schädling oder Lästling

Der erste Begriff vereint die Lebewesen, die hilfreiche „Dienste“ leisten für Haus und Garten. Dabei werden im Regelfall die Tiere als Nützlinge bezeichnet, die im Speziellen ein für den Menschen nützliches Verhalten zeigen. Beispiel dafür sind Bestäuber wie Bienen und Hummeln, die einen wichtigen Part für die gewünschte Lebensmittelernte übernehmen.

Schädlinge hingegen bewirken das Gegenteil: Sie fressen z.B. Pflanzen oder deren Wurzelwerk und sorgen so dafür, dass diese keine Früchte mehr tragen. Der Ernteerfolg bleibt aus. Schädlinge fallen vor allem dann auf, wenn diese in größerer Zahl anzutreffen sind oder sie vom Aussehen her hervorstechen.

Weiterhin gibt es noch die sogenannten „Lästlinge“. Mit diesem Begriff werden Tiere bezeichnet, die keine konkrete Schädigung z.B. im Garten verursachen oder gefährlich für Mensch oder Tier sind. Die Anwesenheit dieser Tiere wird jedoch aus den verschiedensten Gründen als störend empfunden. Beispiele für Lästlinge sind: Mücken (Die stechen ja immer!), Spinnen (Ich habe Angst vor Spinnen!) oder Asseln (Die sind so ekelig!).

Nützlinge, die oft als Schädlinge verrufen werden

Blattläuse bekämpfen durch Schlupfwespen

Wespen müssen weg – die nerven und stechen bloss! – Oft wird vemeintlichen Schädlingen Unrecht getan: Schlupfwespen können z.B. wunderbar für die Bekämpfung von Blattläusen genutzt werden!

Insbesondere bei den Insekten sind viele Arten unbeliebt bei uns Menschen. Schon als Kinder lernen wir, dass Ohrenwürmer, Kellerasseln und Schlupfwespen zu den Tieren gehören, die wir lieber nicht im Haus oder Garten haben möchte. Meist werden sie aber lediglich aufgrund ihres Aussehens gemieden. Denn alle drei Arten besitzen positive Eigenschaften, die Ihnen im Garten nützlich sein können. Ohrwürmer und Schlupfwespe beispielsweise vertilgen die ungeliebten Blattläuse, die sich ansonsten über die Blätter Ihrer Pflanzen hermachen würden. Die Kellerassel, als Bodenlebewesen, hilft abgestorbene Pflanzenteile zu beseitigen und wandelt sie in wertvollen Humus um. Wir haben Ihnen eine Liste zusammengestellt, in der verzeichnet ist, welche Tiere Ihnen im Garten nützlich werden könnten. Lesen Sie also gerne einmal nach, bevor ein vermeintlicher Schädling entfernt wird, obwohl dieser doch ganz hilfreich ist.

Schädlinge im Garten!

Die Tiere, die Sie in Ihrem Garten beobachten, sind aber häufig nicht einfach in diese Kategorien einzuordnen. Viele vermeintliche Schädlinge entpuppen sich bei näherem Hinsehen als Nützlinge, die einen wichtigen Beitrag zur natürlichen Schädlingsbekämpfung leisten. Auch muss nicht jeder Schädling, nur weil dieser als solcher kategorisiert wurde, zwangsweise von Ihnen entfernt werden. Bevor Sie also über Bekämpfungsmaßnahmen nachgedacht haben, sollte zunächst geklärt werden, um welchen Gartenbewohner es sich handelt und ob ein Eingreifen notwendig ist.

Wenn ein Eingreifen sinnvoll ist, sollte bestenfalls nicht die klassische „chemische Keule“ aus dem Fachhandel gewählt werden. Viele Kulturprobleme und Schädlingsbefälle kann eine natürliche Behandlung bzw. Schädlingsbekämpfung entgegen gesetzt werden. Die Natur wird es Ihnen danken!

Sie finden nachfolgend Informationen, damit es Ihnen leichter fällt, Nützlinge und Schädlinge voneinander zu unterscheiden.

Teils Nützling, teils Schädling?​

Nicht immer ist die Einteilung in eine der beiden Kategorien einfach zu treffen. Manche Tierarten haben nämlich sowohl einen Nutzen als auch einen Nachteil für den Gärtner bzw. die Gärtnerin. Schmetterlinge beispielsweise beteiligen sich an der Bestäubung der Pflanzen. Ihre Larven aber ernähren sich von Blättern und verschmähen dabei auch Salat- und Kohlköpfe nicht. Hornissen, die auch aus Sicherheitsaspekten ungern im eigenen Garten gesehen werden, lieben süßes Obst. Im Gegenzug verspeisen sie aber Wespen, Fliegen und Bienen. Maulwürfe fressen neben Raupen und Larven auch Engerlinge und Rüsselkäfer und sollten daher eigentlich ein gern gesehener Gast im Garten sein. Durch die beim Buddeln entstehenden Maulwurfshügel versuchen aber viele Menschen diese fernzuhalten.

Neben den Lebewesen, die jeweils positive wie negative Eigenschaften mit sich bringen, gibt es auch viele, die nur in geringer Weise nützlich sind, aber keinen Schaden verursachen wie beispielsweise Libellen, Greifvögel, Molche, Igel, Eichhörnchen, Fledermäuse oder Eulen. Sie erfüllen im Ökosystem ihre Rolle und dienen z.B. einem anderen Helferlein als Nahrung. Diese Tiere können Sie beruhigt im Garten willkommen heißen.

Blattläuse bekämpfen? Hausmittel wie Nützlinge wählen! Schädlinge im Garten erkennen und natürlich beseitigen

Neben den kleinen Helfern gibt es auch Tiere, die einen großen Schaden an den Pflanzen oder Früchten anrichten können und daher bekämpft werden können. Viele Schädlinge haben natürliche Feinde, die Sie bewusst in Ihrem Garten ansiedeln und so auf natürlichem Wege eine Schädlingsbekämpfung vornehmen können. Wir haben Ihnen eine Liste zu diesem Thema zusammengestellt:

Schädlinge natürlich bekämpfen

  • Blattläuse: Blattläuse ernähren sich von Pflanzensäften. Dazu stechen sie Löcher in die Blätter. Durch diese können Krankheitserreger in die Pflanze eindringen und sie nachhaltig schädigen. Häufig verringert sich der Bestand durch die Anwesenheit von räuberischen Nützlingen wie etwa dem Marienkäfer oder der Schlupfwespe. Bevor Sie zur „Chemiekeule“ greifen, sollten Sie daher erst einmal abwarten. Nimmt die Pflanze dann sichtbar Schaden, gibt es zudem eine Reihe wirksamer Hausmittel.
  • Spinnmilben: Ähnlich wie die Blattläuse ernähren sich auch die Spinnmilben vom Pflanzensaft. Insbesondere bei warmer, trockener Luft fühlen sie sich wohl und befallen in großer Zahl die Pflanzen auf Ihrem Balkon oder in Ihrem Garten. Um sie zu vertreiben, wird die Luftfeuchtigkeit rund um die Pflanze erhöht. Dazu sprühen Sie sie mit Wasser ein und stülpen eine Tüte darüber, so dass die Feuchtigkeit nicht entweichen kann. Der Pflanze schadet dies nicht, den Spinnmilben aber schon. Natürlich Feinde der Spinnmilben stellen z.B. Marienkäfer, Larven der Florfliege, Raubmilben und Gallmücken dar.
  • Schnecken: Solange sie keinen Salatkopf sichten, sind Schnecken eher ungefährlich für die eigene Ernte. Vielmehr dienen sie dem Maulwurf als Nahrung und sollten daher nicht gänzlich vertrieben werden. Um sie vom Gemüsebeet fernzuhalten, kann ein sogenannter Schneckenschutzzaun errichtet werden. Wem dies nicht ausreicht, der kann natürliche Feinde von Schnecken im Garten ansiedeln. Dies könnten beispielsweise folgende Tiere sein: Igel, Tigerschnegel oder Laufenten.
  • Thripse: Thripse werden auch Fransenflügler genannt. Sie ernähren sich saugend vom Zellsaft von Pflanzen. Auch hier kann das Ansiedeln von Nützlingen helfen. Folgende Helferlein „kümmern“ sich sehr gerne um die ungeliebten Schädlinge: Larven der Florfliege, Raubwanzen, Raubmilben und Blumenwanzen.
  • Nematoden: Nematoden werden auch als Fadenwürmer oder Ählchen bezeichnet. Interessanterweise können diese sowohl als Schädlinge als auch als Nützlinge eingeordnet werden. So helfen Nematoden z.B. bei einem Befall durch den Dickmaulrüssler. Wer Nematoden bekämpfen möchte, kann auf den Einsatz von Raubmilben zählen.
  • Dickmaulrüssler: Der Dickmaulrüssler ist unter den Käfern als Schädling besonders verbreitet. Man erkennt den Befall daran, dass der Käfer kleine Buchten in die Blätter von Zierpflanzen frisst. Außerdem fressen die Larven gerne den Wurzelbereich der Pflanzen an. Effektivsten bekämpfen lässt sich der Dickmaulrüssler im April und Mai sowie im August und September mit dem Einsatz von Nematoden.
  • Japankäfer: Der ursprünglich aus Asien stammende Käfer richtet deutliche Schäden an Wild- und Kulturpflanzen an. Die Engerlinge leben im Boden von feuchter Wiesen. Sie fressen dort vorwiegend die Graswurzeln – aber auch Kräuterwurzeln werden gerne verspeist. Die erwachsenen Käfer fressen die Blätter der Pflanze an – bis hin zu Skelettierfraß (nur die Blattskelette bleiben bestehen). Befallene Blätter färben sich braun und können abfallen. Auch Früchte und Blüten diverser Pflanzen sind nicht vor den Fraßspuren des Käfers geschützt. Es wird beobachtet, dass Japankäfer anscheinend einzelne Pflanzen gänzlich kahlfressen, während benachbarte Pflanzen nicht beschädigt werden. Verschiedene Nützlinge fressen die Larven im Boden, z.B. Maulwürfe, Vögel, Spitzmäuse, Rollwespen und Laufkäfer. Gegen die Larven können außerdem entomopathogene Pilze (Beauveria bassiana, Metarhizium anisopliae), Bakterien (Paenibacillus popilliae) oder parasitische Nematoden (u.a. Steinernema sp, Heterorhabditis sp.) eingesetzt werden.

 

 

Weltbienentag • 20. Mai

Nützlinge gegen Schädlinge erfolgreich einsetzen

Wie lege ich einen Nützlingsgarten an?